Das dritte Spiel innerhalb einer Woche – der sogenannten Englischen Woche – forderte uns aufgrund der hohen Temperaturen und der vorangegangenen Belastungen gegen Aarau (Cup) sowie Brühl (Spitzenteam, das zu Hause seit über einem Jahr nicht mehr verloren hatte) einiges ab. Dazu kam die ambitionierte U-21-Mannschaft von Lugano, die besser ist, als es das Resultat vermuten lässt.
Dennoch merkte man unserer Mannschaft die Belastung nicht an: Wir rannten an, drückten hoch und kamen bereits nach 18 Sekunden zur ersten Torchance. Der erneut blendend aufgelegte Moulin sah mit einem Zuckerpass den tief gestarteten Beltran, dessen Direktabnahme zur ersten Belastungsprobe für den in dieser Saison erstmals eingesetzten Torhüter Mina wurde.
Statt weiter zu drücken, gelang es Lugano erstmals nach vier Minuten, sich zu entlasten. Nach einem harmlos wirkenden Rückpass von Paviot zu Fohouo schätzte dieser die Situation ungenau ein. Sein Zuspiel zu Asani wurde abgefangen und der wirblige Raffa zwang Fohouo zur ersten Parade im Spiel.
So schien es in der Folge doch noch, als hätten wir den beiden Spielen dieser Woche zu viel Tribut gezollt. Unerklärlich, wie wir dann nach 14 Minuten in Rückstand gerieten: Nach einem verlorenen Ball in die Spitze gelang es Mina, einen langen Ball zurückzuspielen. Ombala passte zu ungenau und schwierig zur direkten Verarbeitung für Fohouo zurück, der gezwungen war, den Ball mit dem Kopf zu spielen. Dieser Kopfball verwandelte sich direkt zur Vorlage für Rüeger, der den Ball überlegt ins verwaiste Tor loben konnte – 0:1 zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.
Die Mannschaft von Samir Chaibeddra war nun gewillt, dieses Fauxpas ungeschehen zu machen. In der 21. Minute setzte sich links Dzonlagic durch und passte in die Mitte zu Pululu, der direkt zu Moulin weiterleitete. Dieser hatte das Visier noch nicht richtig eingestellt – leichte Beute für Mina.
Nach einem Freistoss in der 32. Minute erhöhten die Gäste aus dem Tessin plötzlich zum 0:2. Einen mässig getretenen Freistoss von Lugano-Profi Ajdin konnte niemand klären. Zurmühle reagierte mit dem Rücken zum Tor am schnellsten und bediente Raffa, der mit einem satten Schuss erhöhte. Dieser Rückstand wog nun schwer.
Trotz allem blieben wir im Spiel und konnten in der 44. Minute nach einem Zuspiel von Jakob rechts zu Beltran und dessen mustergültiger Flanke auf den Kopf von Dzonlagic verkürzen. Der Treffer ins untere Eck war präzise und unhaltbar – zumindest ein bisschen Schadensbegrenzung. Doch damit nicht genug: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gelang Kuzmanovic ein Tor mit der Brust, nachdem Moulin einen Eckball scharf hereingetreten hatte und sich für den Innenverteidiger niemand zu kümmern schien. Uns konnte es egal sein – 2:2 und Halbzeit.
In der zweiten Halbzeit gelang es uns, besser ins Spiel zu finden. Mit der Einwechslung von Samba und Mäder sowie dem bereits zuvor verletzungsbedingten Wechsel (36.) von Jakob für Bouameur kam deutlich frischer Wind in unser Spiel.
In der 56. Minute gingen wir dann verdient in Führung: Moulin, im Zentrum angespielt, sah rechts den tief startenden Beltran, der den Lugano-Torwart ausserhalb der Strafraumkante mit einer Halb-Flanke und einem Halb-Schuss überraschte und zum 3:2 einschoss. Die Freude auf unserer Seite war natürlich riesengross – der Rückstand hatte sichtbare Spuren hinterlassen.
Fünf Minuten später (61.) war Zeit für den nächsten Geniestreich des seit Wochen überragenden Presley Pululu. Mäder konnte im Mittelfeld den Ball nach einem Luftzweikampf Kuzmanovics in Empfang nehmen, sah den freistehenden Jakob und leitete direkt weiter zu Pululu. Was danach folgte, war einfach Weltklasse: Pululu setzte sich im 1-gegen-1 durch, zog nach innen und setzte den Ball ins entfernte Lattenkreuz zur mehr als verdienten 4:2-Führung. Der Bann bei den Gästen war gebrochen.
In der Folge gelang es uns immer besser, flüssige Kombinationen zu zeigen und immer häufiger gefährlich in die gegnerische Platzhälfte zu gelangen. Lugano hatte ab hier deutlich mehr Mühe, unser Vertikalspiel zu kontrollieren – wir waren nun endlich richtig im Spiel angekommen.
Zu erwähnen ist das Ligadebüt des erst 17-jährigen Eigengewächses Zablon Abraham, der sich ab der 68. Minute gut einreihte und durchaus zu gefallen wusste. Mit dieser Leistung ist er ein Versprechen für die Zukunft und ein Zeichen der Förderung unserer jungen und talentierten Spieler. Ihm gelang es dann auch in der 84. Minute einen Elfmeter herauszuholen, nachdem er mustergültig von Jakob angespielt worden war. Den fälligen Strafstoss verschoss Dzonlagic leider.
Zwei Minuten vor Schluss (88.) war es dann endgültig gelaufen: Moulin krönte seinen Auftritt nach einem mustergültigen Zuspiel von Dzonlagic via Innenpfosten zum 5:2-Endresultat.
Kurz vor Schluss erhielt Fohouo nochmals die Gelegenheit zur Auszeichnung – und was für Paraden. Nachdem Frizzi mit seinem Schuss an ihm gescheitert war, gelang es auch dem anderen eingewechselten Riva (89.) im Nachschuss nicht, das Tor zu treffen.
Erfreulich nach diesem Sieg ist die Erkenntnis, dass wir einen ähnlichen Rekordstart wie in der Aufstiegssaison 2020/21 hingelegt haben und in vier Spielen die volle Punktzahl behalten. Weiter erfreulich ist die Tatsache, dass sich bei fünf Toren fünf verschiedene Torschützen eintragen liessen. Auch das ist eine neue Qualität dieser Mannschaft, die immer für Gefahr sorgen kann.
Weiter geht es für unsere Mannschaft nächsten Sonntag zum Spitzenteam aus dem Gruyère – dem FC Bulle – und dem Wiedersehen mit Seydina Doumbia und Thoma Monney.
Meisterschaft – Promotion League
FC Biel-Bienne – FC Lugano U-21 5:2 (2:2)
Tissot Arena, Biel. – 730 Zuschauer. – SR: Müller.
Tore: 0:1 Rüeger (12.), 0:2 Raffa (32.), 1:2 Dzonlagic (44.), 2:2 Kuzmanovic (45+3.), 3:2 Beltran (56.), 4:2 Pululu (61.), 5:2 Moulin (88.).
FC Biel-Bienne 1896: Fohouo – Ombala (46. Samba), Kuzmanovic, Paviot, De Freitas – Asani (46. Mäder) – Beltran (68. Abraham), Moulin, Bouameur (36. Jakob), Pululu (78. De Oliveira) – Dzonlagic.
FC Lugano U-21: Mina – Gamba, Krueziu (64. Chiesa), Carbone – Davis (46. Osvaldo), Puddu (85. Riva), Ajdin, Rüeger – Tiraboschi (64. Gervasini), Raffa – Zurmühle (64. Frizzi).
Bemerkungen: Biel-Bienne ohne Essay, Maltet, Maurer, Ssebunya, Tebib, Vasic (alle verletzt), Chihadeh (gesperrt).
Karten: 22. Zurmühle (gelb, Foul), 31. Moulin (gelb, Foul), 32. Raffa (gelb, Unsportlichkeit), 35. Kuzmanovic (gelb, Foul), 47. Krueziu (gelb, Unsportlichkeit), 74. Jakob (gelb, Foul).
