An diesem Samstag kommt es am 8. Spieltag zu einem Derby, das längst Tradition hat. Wir reisen zum FC Breitenrain auf den "Spitz" – und interessanter könnte diese Affiche kaum sein.
Denn zwischen kaum zwei Vereinen dieser Liga wechselten in den vergangenen Jahren so viele Spieler hin und her wie zwischen dem FC Biel-Bienne und dem FC Breitenrain. Die Verbindung reicht dabei weit zurück.
Ein Derby mit erstaunlich vielen gemeinsamen Geschichten
Einen der ersten dokumentierten Wechsel machte vor rund 20 Jahren ein gewisser Oliver Riedwyl, der zum FC Breitenrain in die damalige 2. Liga interregional wechselte. Ein Name, der später weit über den Schweizer Klubfussball hinaus bekannt werden sollte: Riedwyl war als Athletiktrainer unter Vladimir Petković und Murat Yakin mit der Schweizer Nationalmannschaft an insgesamt fünf Endrunden dabei.
Auch zahlreiche Spieler prägten die Verbindung zwischen Biel und Breitenrain. Mit Emmanuel Mast, Evan Stadelmann und zuvor Adrian Fleury wechselten weitere namhafte Akteure auf den "Spitz".
Und einer steht auch heute noch auf dem Platz. Mit dem 33-jährigen Linksfuss Neto Gomes steht ein Spieler auf dem Platz, der zuletzt für beide Vereine aktiv war. Seit seinem Wechsel 2019 sorgt er auf dem rechten Flügel des FC Breitenrain weiterhin für Unruhe in den gegnerischen Reihen.
Ein Spieler, den die Bieler Defensive bestens kennen dürfte – und einer, bei dem die Vergangenheit am Samstag für einmal keine Rolle spielen wird.
Ein Bieler an der Seitenlinie
Auch an der Seitenlinie gibt es Bieler Verbindungen. Alain Villard hat den FC Breitenrain nach einem herausfordernden Jahr stabilisiert und die Mannschaft inzwischen im Mittelfeld der Tabelle etabliert.
Mit weiteren ehemaligen Biel-Spielern wie Steven Ukoh und Verteidiger Yll Avdyli verfügt Breitenrain zudem über zusätzliche Stabilität in der Defensive.
"Breitsch" lebt dabei weniger von einzelnen grossen Namen als von einem starken Kollektiv. Mit Neuzugang Kevin Krasniqi und dem ständigen Unruheherd Mark Marleku stehen zudem zwei weitere Spieler zur Verfügung, die dem Angriffsspiel zusätzliche Optionen und Räume eröffnen.
Zu Hause wird der FC Breitenrain alles daransetzen, seine Ungeschlagenheit auf dem eigenen Platz zu verteidigen.
Und damit sind wir bei einem weiteren Grund, weshalb dieses Derby speziell ist. Der "Spitz" ist kein gewöhnliches Stadion. Der Sportplatz Spitalacker liegt mitten im Berner Breitenrain und ist eng mit dem Quartier verbunden. Die charakteristische Holztribüne, die Nähe zu den Wohnhäusern und die ganz eigene Atmosphäre machen den "Spitz" zu einer der spezielleren Spielstätten im Schweizer Fussball.
Dabei blickt der Platz auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück. Einst trug auch der BSC Young Boys seine Heimspiele hier aus. 1922 fand auf dem Spitalacker sogar ein Länderspiel zwischen der Schweiz und den Niederlanden vor rund 12'000 Zuschauern statt.
Heute ist der "Spitz" deutlich kleiner – seine besondere Atmosphäre ist aber geblieben. Und diese Nähe zum Quartier bringt gelegentlich auch Herausforderungen mit sich. Dass der "Spitz" mitten in einem Wohnquartier liegt, sorgt immer wieder für den besonderen Spagat zwischen Fussball, Fankultur und den Interessen der Anwohnerschaft.
Für das Spiel vom Samstag wurden wir deshalb sogar gebeten, unsere Fans darauf hinzuweisen, auf Trommeln und andere besonders laute Support-Gegenstände zu verzichten. Hintergrund: Der FC Breitenrain riskiert bei entsprechenden Verstössen eine Busse und ist gleichzeitig verpflichtet, zusätzliches Sicherheitspersonal einzusetzen und mitgebrachte Trommeln beziehungsweise entsprechende Gegenstände bis nach Spielschluss einzuziehen.
Man muss zugeben: Ein Auswärtsspiel in der Promotion League, bei dem man seine mitreisenden Fans darum bitten muss, ihre Trommeln zu Hause zu lassen, ist zumindest ungewöhnlich.
Natürlich treffen hier unterschiedliche Interessen aufeinander. Wer mitten in einem Wohnquartier lebt, hat verständlicherweise ein Interesse an einer gewissen Rücksichtnahme. Wer hingegen einen Fussballverein unterstützt, verbindet mit einem Spiel auch Emotionen, Gesänge, Fahnen und lautstarken Support.
Genau dieser Spagat macht den "Spitz" zu einem besonderen Fussballplatz – und gleichzeitig zu einem Ort, an dem Fussball und Quartier immer wieder miteinander ausgehandelt werden müssen.
Für unsere Fans bedeutet das am Samstag deshalb: Support ja – aber diesmal etwas leiser als gewohnt.
Dass Spiele auf dem "Spitz" nie einfach sind, wissen auch wir spätestens seit dem letzten Aufeinandertreffen. Im Februar schien der Sieg bereits zum Greifen nah, ehe wir uns am Ende mit einem 2:2-Unentschieden begnügen mussten.
Die praktisch ausgeglichene Bilanz zwischen den beiden Teams verspricht auch diesmal ein intensives und spannendes Derby.
Breitenrain wird zu Hause seine Serie der Ungeschlagenheit verteidigen wollen. Wir hingegen reisen mit dem klaren Ziel nach Bern, unsere eigene Serie auszubauen.
Es ist Derbyzeit.
